Kik hofft immerhin, bis zu 95 Prozent seiner mehr als 2600 Filialen in Deutschland zum Wochenanfang wieder öffnen zu können. Auch Gerry Weber will alle Filialen, die eine Verkaufsfläche von maximal 800 Quadratmetern haben, wieder in Betrieb nehmen. Doch der Schuhhandelsriese Deichmann ist schon wesentlich vorsichtiger in seiner Prognose.

Zwar will auch Deichmann die ersten Läden am Montag wieder öffnen. Doch wie viele genau, da mag sich das Unternehmen nicht festlegen. "Konkretere Aussagen zu machen, ist im Moment noch schwierig, da die Vorgaben in den Bundesländern teilweise voneinander abweichen und es auch auf lokaler Ebene in einigen Fällen spezielle Regelungen gibt", betonte das Unternehmen. Auch die Buchhandelskette Thalia sieht hier eine Hürde. So werde sich die Öffnung der Buchläden in Thüringen wohl um eine Woche nach hinten verschieben.

Nach den neuen Regelungen dürfen ab der kommenden Woche Läden mit einer Verkaufsfläche von bis zu 800 Quadratmetern unter Auflagen wieder öffnen - ebenso unabhängig von der Ladengröße Kfz-Händler, Fahrradhändler und Buchhandlungen.

In NRW ist es anders

Einen Sonderweg geht Nordrhein-Westfalen: Das Land erlaubt auch Einrichtungshäusern und Babyfachmärkten, am Montag wieder zu öffnen. Für diese Branchen habe das Land eine Sonderregelung getroffen, sagte Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) am Donnerstag in Düsseldorf. "Da haben wir ein klares wirtschaftliches Interesse", sagte Laumann in Bezug auf die Sonderregelung zu den Einrichtungshäusern. In NRW habe die Möbelbranche etwa 35.000 Mitarbeiter. Über 60 Prozent aller Küchen in Deutschland würden in Westfalen produziert. Wenn größere Autohäuser unter den Bedingungen des Infektionsschutzes wieder öffnen könnten, sei das auch bei Einrichtungshäusern möglich.

Tatsächlich sorgt die Größen-Beschränkung weiter für viel Unmut im Handel. Der Präsident des Handelsverbandes Textil (BTE), Steffen Jost, sprach am Donnerstag von einer willkürlichen Entscheidung, die vor allem ein Ziel habe: "Die Politik will verhindern, dass die Leute in die Stadt gehen. Das ist wahrscheinlich gelungen."

Josts Einschätzung wurde von Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher mehr oder weniger bestätigt. Der SPD-Politiker sagte im ARD-Morgenmagazin mit Blick auf die 800-Quadratmeter-Regel: "Es geht vor allem darum, dass in den Innenstädten nicht plötzlich - da wo große Einkaufszentren, große Kaufhäuser sind - gar nicht die Läden, sondern allein die Fußgängerzonen wieder so eng werden, dass es zu neuen Infektionsrisiken kommt."

BTE-Präsident Jost, der selbst als Unternehmer fünf Modegeschäfte mit Verkaufsflächen von 3000 bis 5400 Quadratmetern betreibt, warnte, die Entscheidung schade nicht nur den direkt Betroffenen. Auch kleine Händler würden darunter leiden. Denn dadurch, dass die großen Kundenmagneten geschlossen blieben, werde es auch ihnen an Kundschaft fehlen. Die Angst der Politik vor einem Kundenansturm in der Innenstadt hält der BTE-Präsident für übertrieben. "Wir haben so oder so eine Konsumkrise. Die Menschen werden eh nicht in die Läden strömen."

Erich Reimann, dpa