Russell dagegen ist ein Eigengewächs, der über 20 Jahre Erfahrung in den Bereichen Vertrieb, Management, Beratung und Technologiebei SAP mitbringt, unter anderem in der Region Asia Pacific Japan. Er kam 2010 von IBM. Der 47-jährige Australier wird mit Wirkung zum 1. Februar für eine dreijährige Amtszeit in den Vorstand berufen. Russell wird die Vertriebs- und Servicestrategie der SAP weiterentwickeln. Seine Vorgängerin Adaire Fox-Martin verlässt SAP auf eigenen Wunsch.

Christian Klein: "Julia und Scott bringen ungewöhnlich große Kundenempathie mit, gepaart mit großer Erfahrung in den Bereichen Transformation und Innovation. Damit sind wir bestens für die Umsetzung unserer strategischen Prioritäten gerüstet: den Kundenerfolg zu steigern, Ko-Innovation zu fördern und den Wert für unsere Stakeholder zu erhöhen."

Auch in Deutschland gibt es mit Masa Schmidt eine neue Marketingverantwortliche. Die neue Head of Marketing begrüßte EMEA-Marketingchefin Kerstin Koeder:

Die Aussichten für SAP

Das Management hatte bereits im Herbst vor den Folgen der Pandemie gewarnt, die die Nachfrage bis mindestens zur Jahreshälfte 2021 belasten dürften. Nun rechnet der Konzern damit, dass die Erlöse mit dem Verkauf von Softwareabos und Lizenzen 2020 stagnieren oder maximal bis um währungsbereinigt zwei Prozent zulegen. Darunter traut SAP der schnell wachsenden Software zur Nutzung über das Internet allerdings ein Wachstum von 13 bis 18 Prozent zu.

Laut einer Erhebung des einflussreichen Anwenderverbandes DSAG, in dem sich Tausende SAP-Kunden zusammengeschlossen haben, hatten im Herbst fast drei Viertel aller befragten Firmen über zurückgehende Umsätze geklagt. Das habe auch Auswirkungen auf die IT-Budgets der SAP-Kunden, hatte DSAG-Chef Jens Hungershausen gesagt. "Es gibt einen großen Anteil, der sagt: Wir forcieren jetzt unsere IT-Projekte. Aber es gibt fast einen genauso großen Teil, der sagt: Wir bremsen unsere Projekte jetzt ein bisschen ein, verzögern sie. Das dürfte bis Mitte nächsten Jahres erst mal so bleiben."

Trotz eines halbwegs ordentlichen Schlussquartals rechnet Europas größter Softwarehersteller im abgelaufenen Jahr mit einem Minus beim um Sonder- und Währungseffekte bereinigten Betriebsergebnis - im Extremfall um bis zu sechs Prozent, mindestens aber um 1 Prozent. Eine entsprechende Prognose verkündete das Unternehmen aus dem Rhein-Neckar-Kreis in der Nacht auf Freitag auf Basis vorläufiger Zahlen. Zielsetzungen zur weiteren Umsatzentwicklung oder zum Nettoergebnis 2021 gab es keine.

Für das abgelaufene Jahr vermeldete SAP ein bereinigtes operatives Ergebnis vor Zinsen und Steuern in Höhe von 8,28 Milliarden Euro - das ist ein wenig mehr als im Vorjahr. Blendet man die Sondereffekte aus, konnte SAP beim Betriebsergebnis sogar ein Plus von 48 Prozent auf 6,62 Milliarden Euro vermelden. Diese Entwicklung ist allerdings vor allem dem zwischenzeitlich abgestürzten Börsenkurs geschuldet, der deutlich geringere Aufwendungen für anteilsbasierte Vergütungen als noch 2019 nötig machte. Beim Umsatz steht unter dem Strich für 2020 ein Rückgang von 1 Prozent auf 27,34 Milliarden Euro, zum Nettoergebnis soll es erst am 29. Januar Angaben geben.

Im vierten Quartal schnitt SAP besser ab als von Analysten gemutmaßt, weil vor allem die Lizenzverkäufe nicht so stark fielen wie befürchtet. Die ursprünglichen Jahresziele waren indes deutlich höher - doch die Auswirkungen der Corona-Pandemie und interne Umstrukturierungen erschwerten SAP die Geschäfte. Nachdem der Tech-Konzern im Herbst überraschend zum wiederholten Male seine Finanzziele für 2020 sowie ein im Vorjahr noch groß ausgerufenes Profitabilitätsversprechen kassiert hatte, stürzte SAP auch an der Börse ab - und ist heute weit von früheren Höchstkursen entfernt.

Dutzende Milliarden Euro an Marktkapitalisierung lösten sich seither in Luft auf, dazu kommt anhaltende Kritik von Kunden: Viele Unternehmen kritisieren eine weiter schlechte Verzahnung der etlichen SAP-Anwendungen. Viel Arbeit für den unter Druck stehenden Vorstandschef Christian Klein (40), der das Unternehmen seit Oktober 2019 leitet - bis April in einer Doppelspitze, seither alleine.

am/mit dpa



Annette Mattgey, Redakteurin
Autor: Annette Mattgey

Seit 2000 im Verlag, ist Annette Mattgey (fast) nichts fremd aus der Marketing- und Online-Ecke. Für Markengeschichten, Kampagnen und Karriere-Themen hat sie ein besonderes Faible. Aus Bayern, obwohl sie "e bisi anners babbelt".