Was die Teilnehmer von #allesdichtmachen möglicherweise nicht bedachten: Ihre Aktion wird von der "Querdenker-Szene" mit Begeisterung aufgenommen und geteilt – ein möglicher Satiregedanke kommt dort offensichtlich nicht an. Auch wenn sich Liefers in einem Folgepost auf Instagram mittlerweile ausdrücklich von der Szene distanziert: "Eine da hinein orakelte, aufkeimende Nähe zu Querdenkern u.ä. weise ich glasklar zurück. Es gibt im aktuellen Spektrum des Bundestages auch keine Partei, der ich ferner stehe, als der AfD. Weil wir gerade dabei sind, das gilt auch für Reichsbürger, Verschwörungstheoretiker, Corona-Ignoranten und Aluhüte. Punkt." Gefeiert wird er von ihnen  trotzdem, etwa von der AfD-Bundestagsabgeordneten Joana Cotar. Sie twittert: "Das ist intelligenter Protest."

Das hat wohl mittlerweile auch Heike Makatsch zu denken gegeben. Sie hat sich auf Instagram von der Aktion inzwischen distanziert:  "Wenn ich damit rechten Demagogen in die Hände gespielt habe, so bereue ich das zutiefst", verkündet sie.

Auch habe sie niemals das Leid der Corona-Erkrankten und ihrer Angehörigen schmälern oder sie mit ihrem Beitrag verletzen wollen. Dieser persönlichen Bilanz fügte sie einen vielsagenden Hashtag hinzu: #womöglichgescheitert. Dieser Ansicht sind inzwischen auch ihre Kollegen Meret Becker, Kostja Ullmann und Ken Duken. Sie haben ihre Beiträge zurückgezogen - weitere Kollegen dürften folgen, nachdem ihnen die Wirkung ihrer Ausssagen ebenfalls bewusst wird. Kunst müsse zwar Fragen stellen können, schrieb Becker am Freitag in einem Beitrag auf Instagram. "Aber diese Aktion ist nach hinten losgegangen." Sie werde das Video entfernen lasse und entschuldige sich dafür, dass es falsch verstanden werden konnte.

Die ursprüngliche Website ist weiterhin offline, mit ähnlich klingenden Domains hat sich mittlerweile ein Kritiker der Aktion einen - nun ja, Spaß kann man es nicht wirklich nennen - erlaubt: Wer etwa Allesdichtmachen.com eingibt, wird zur ARD-Mediathek umgeleitet - auf die Dokumentation "Charité-Intensiv-Station 43", die den Alltag von Intensivmedizinern während der Pandemie schonungslos zeigt.



Manuela Pauker
Autor: Manuela Pauker

leitet das Medienressort der gedruckten W&V. Blattmacherin wollte sie schon früh werden, doch leider gab es zum 14. Geburtstag statt des erhofften Kopierers (zum Produzieren einer Zeitschrift) einen Wandteppich zum Selbstknüpfen. Printmedien blieben dennoch ihre Leidenschaft – auch wenn sie parallel zum TV-Serienjunkie wurde