Weil die zunächst vorgesehenen Geisterspiele wegen der Coronavirus-Pandemie abgesagt werden mussten, wurde daraus jedoch nichts. Als Dauerlösung kommt dies ohnehin nicht in Betracht, denn Sky ist mit durchschnittlich 876 Millionen Euro pro Jahr der größte Zahlmeister der Liga und kann daher schwerlich auf Re-Einnahmen aus dem Pay-TV-Angebot verzichten.

Wie groß der Fußball-Hunger der Fans ist, ließ sich am vergangenen Wochenende beobachten. Mehr als zwei Millionen Fans verfolgten im Internet die Bundesliga-Challenge an der Spielekonsole, in der ARD schauten am Samstag 1,83 Millionen Menschen die Wiederholung des EM-Viertelfinales 2016 zwischen Deutschland und Italien. Das Erste verzeichnete damit mehr Zuschauer als bei der zuvor ausgestrahlten "Sportschau" (1,51 Millionen). Der Klassiker der Sportsendungen ist wegen fehlender Bundesligaberichte derzeit auf rund 20 Minuten verkürzt und hat sonst mehr als dreimal so viele Zuschauer.

Bei der Diskussion um möglicherweise veränderte Spieltagspläne gibt sich der wichtigste Free-TV-Anbieter dennoch zurückhaltend. "Wir warten ab, was uns die DFL als Vertragspartner vorschlägt", sagte ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky. "Basis für Gespräche muss eine konkrete Idee sein. Vorher befassen wir uns nicht mit möglichen Modellen."

Ein Notspielplan mit täglichen Ansetzungen, über den für den Fall einer späten Saisonfortsetzung erst im Juni spekuliert wird, würde sowohl der "Sportschau" als auch der Sky-Konferenz - den bei den Fans mit Abstand beliebtesten Fußball-Formaten im TV-Markt - die Grundlage entziehen. Beim Pay-TV-Sender könnte dadurch aber die Nachfrage nach Einzelspielen steigen, zumal die Fans die Bundesliga auf absehbare Zeit auch in den Kneipen und Biergärten nicht verfolgen können.

DFL-Boss Seifert will sich an solchen Spekulationen nicht beteiligen. "Ich möchte mich nicht auf andere Denkmodelle, die momentan nicht auf dem Tisch liegen, einlassen. Wir sehen derzeit noch keinen Anlass, ein Extremszenario - jeden Tag ein Spiel - zu planen", sagte der 50-Jährige. "Wir glauben, die Saison auf regulärem Weg zu Ende bringen zu können."

Nicht so stark betroffen von einer Spielplanänderung wäre DAZN. Für den neuen Mitspieler, der pro Saison 40 Einzelpartien live zeigen darf, zählt in erster Linie, dass der Ball überhaupt wieder rollt. Denn solange der Spielbetrieb ausgesetzt ist, kann der Streamingdienst nicht die vertraglich zugesicherte Ware anbieten.

Weil dies vermehrt zu Problemen mit den Kunden führt, hat DAZN bereits weltweit die Zahlungen an die Sportverbände gestoppt. Das betrifft nach Informationen der Branchendienste Sportspromedia und Sportbusinessdaily die fälligen Summen für abgesagte und verschobene Veranstaltungen. Nicht nur Seifert glaubt daher an die These, "dass sich sehr viele Menschen freuen würden, wenn die Bundesliga demnächst wieder auf dem Bildschirm zu sehen ist". In welcher Form und auf welchem Sender auch immer.