Das liegt zum einen am Angebot. Noch nie war die Film-Pipeline so prall gefüllt wie jetzt. Es liegt aber auch daran, dass diesmal ein bundesweit weitgehend einheitlicher Kino-Restart am 1. Juli erfolgt, der mit dem regionalen Flickenteppich vor einem Jahr nicht vergleichbar ist und der damals auch dadurch erschwert wurde, dass die Verleiher ihre beste Ware zurückgehalten haben.

Zahlreiche Filmstarts sind zigmal verschoben worden

Tatsächlich wurden aufgrund der Pandemie zahlreiche Filmstarts immer aufs Neue verschoben oder vorübergehend auf Eis gelegt. Nur in den seltensten Fällen wurde ihre Premiere in die Streamingdienste verlegt, schlicht, weil sich dieser Ausspielweg für teure Produktionen nicht rechnet. Das meiste harrte deshalb in den digitalen Archiven der Verleiher auf das Ende der Pandemie. Also auf jetzt. Weshalb der heiße Filmherbst in diesem Jahr auch nicht im Oktober beginnt, sondern im Juli. Mit anderen Worten: Noch nie war die Dichte der Kino-Highlights so hoch wie in diesem zweiten Halbjahr.

Mit dem Spionage-Thriller "Black Widow" und dem neunten Teil der amerikanisch-deutschen Koproduktion "Fast & Furious" haben wir im Juli zwei Premieren, für die wir mehr als eine Million Besucher prognostizieren. Und danach geht es Schlag auf Schlag weiter (u.a. mit "Hotel Transsilvanien" und "Kaiserschmarrndrama"). Höhepunkt ist der langersehnte Start des James Bond "Keine Zeit zu sterben" am 30. September, der in Deutschland bereits eine Woche früher als in anderen Ländern erfolgt. Eigentlich hätte der neue James Bond schon im vergangenen Herbst in die Kinos kommen sollen. Doch die Premiere wurde wieder und wieder verschoben, weshalb sogar einige Szenen mit innovativen Gadgets aus der Abteilung Q nachgedreht werden mussten.

Kehren die Menschen tatsächlich in die Kinos zurück?

So viel steht also fest: Wer den Rest des Jahres im abgedunkelten Kinosaal verbringen und sich erstklassig unterhalten lassen möchte, kann das tun. Die Frage ist nur: Wie viele werden das sein? Kehren die Menschen in das Kino zurück oder haben sie es so lange vermisst, dass sie künftig darauf verzichten können?

Ich bin der Überzeugung, dass das Kino schon im Juli wieder seine magische Anziehungskraft ausüben wird. Sehr viele Punkte sprechen dafür, dass die Corona-Pandemie der Beliebtheit des Mediums nicht den kleinsten Kratzer anhaben konnte.

Erstens, die Sehnsucht: Wir ermitteln über unsere Tochterfirma S&L Research regelmäßig die Stimmung der Kinogänger. Darin zeigt sich, dass die Sehnsucht nach dem Kino auf sehr hohem Niveau ist. 71 Prozent der Befragten geben an, dass sie Kino sehr vermissen – vor allem die Atmosphäre und das Feeling (32 Prozent), die große Leinwand und Bildqualität (30 Prozent) sowie das Gemeinschaftserlebnis mit Freunden und Familie (22 Prozent).

Netflix-Fans sind seit jeher auch Kinofans

Zweitens, der Netflix-Effekt: Studien belegen, dass Netflix-Fans vor allem auch eines sind: Film-Fans. Menschen, die intensiv Streamingdienste nutzen, gehen auch überdurchschnittlich oft ins Kino. Da die Pandemie die Netflix-Nutzung erhöht hat, könnte dies bei bestimmten Zielgruppen die Attraktivität des Kinos sogar noch steigern. Und ehrlich gesagt: Es wird Zeit, mal wieder einen Film zusammen mit Freunden auf einer richtig großen Leinwand zu sehen!

Drittens, der Stotterstart 2020: Der Re-Start des Kinos im vergangenen Sommer glich einem Hürdenlauf. Unterschiedliche regionale Regelungen und Beschränkungen, zaudernde Verleiher und unsichere Betreiber prägten die Wiedereröffnungen. Und trotzdem kamen die Menschen in Scharen. Als Warner Bros. den Blockbuster "Tenet" in den Kinomarkt brachte, zählte er nach nur vier Wochen über eine Million Zuschauer.

Viertens, das Ausland: Das vergangene Jahr war für uns auch deshalb schwierig, weil wir in Deutschland im Sommer zwar vorsichtig öffnen konnten. Doch die Kinos in den USA oder anderen wichtigen Märkten waren zu diesem Zeitpunkt geschlossen, was die Lust der Verleiher lähmte, ihre Filme an den Start zu bringen. Diesmal ist es anders. Die Kinos in den USA, Asien und Großteilen Europas sind seit längerem geöffnet und haben überwältigende Besucherzahlen. Warum sollte dies bei uns anders sein?

Seit Mai 2020 arbeite ich als Chief Sales Officer bei Weischer.Cinema. In dieser Zeit konnte ich unseren Werbekunden über Wochen hinweg nicht viel erzählen, denn die Kinos waren seitdem überwiegend geschlossen. Wir haben in dieser Zeit intern viel bewegt, beispielsweise unsere Vertriebsstruktur effizienter gestaltet und die Grundlage für automatisierte Werbeeinbuchungen gelegt. Doch jetzt erkennen wir ein Licht am Ende des Tunnels. Ein Licht, das unser Medium wieder zum Strahlen bringen wird. Darauf haben wir alle gewartet, besonders auch die Werbekunden, die die Faszination und Einzigartigkeit unseres Mediums zu schätzen wissen. Viele haben deshalb schon gebucht: Nike, Media Markt, Deutsche Telekom, die Sparkassen oder Vorwerk. Sie alle wollen bei dieser ganz besonderen Premiere in der ersten Reihe sitzen.

Gastautor: Oliver Adrian (Weischer Cinema)

Seit Mai 2020 fungiert Oliver Adrian als Chief Sales Officer von Weischer Cinema.

Seit Mai 2020 fungiert Oliver Adrian als Chief Sales Officer von Weischer Cinema.



Autor: W&V Gastautor

W&V ist die Plattform der Kommunikationsbranche. Zusätzlich zu unseren eigenen journalistischen Inhalten erscheinen ausgewählte Texte kluger Branchenköpfe. Einen davon haben Sie gerade gelesen.