Die erste Woche bestimmte sie quasi im Alleingang. Ihres Zeichens Witwe des ehemaligen Campers "Malle"-Jens Büchner betonte sie diese mehr oder weniger einzige Qualifikation für ihre Teilnahme immer und immer wieder. Sie habe ihm am Sterbebett das Versprechen gegeben, im Dschungel mitzumachen. Wenn kein Mitcamper mehr bereit war, sich diese Dauerschleife anzuhören, beschallte sie damit die Moderatoren Sonja Zietlow und Daniel Hartwich - oder eine im Urwald herumstehende Kamera.

Auf die Nerven ging sie Camp-Kollegen, Moderatoren und Zuschauern vor allem, weil sie unentwegt ihre privaten Schicksalsschläge auflistete, jammerte, alles negativ sah und schlechte Stimmung verbreitete. Mit der Zeit baten sogar Hartwich und Zietlow das Publikum, ihnen Büchner in den Dschungelprüfungen zu ersparen - was wiederum deren Familie zu einem Aufschrei in der Boulevardpresse veranlasste.

Denn gleich zu Beginn hatten die Zuschauer Büchner zur würdigen Nachfolgerin von Dauer-Prüflingen wie Larissa Marolt, Gisele Oppermann oder Georgina Fleur gekürt und wählten sie fortan Tag für Tag hinein in die Ekel-Prüfungen. Büchners Phobien gegen ungefähr alles, was im Dschungel kreucht und fleucht, befriedigten zuverlässig jeglichen Voyeurismus. Eine Prüfung brach sie sogar ab, bevor sie richtig angefangen hatte - Wasser auf die Mühlen derer, die immer wieder für sie anriefen. Die "Danni-Show" war aus der Taufe gehoben.

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Wie kann es nun sein, dass von den präsenten Damen im Camp nur noch eine einzige übrig geblieben ist und (ausgerechnet!) Büchner die Letzte war mit einer Chance auf ein bisschen Gender-Gerechtigkeit?

"Die Männer haben aus meiner Sicht deutlich weniger polarisiert als die Frauen. In den Dschungelprüfungen zeigten sie mehr Leistung", sagt Medienexpertin Bleicher. "Insofern: The men take it all."

Ein Blick in die Dschungel-Historie zeigt, dass die polarisierende Nervensäge - hieß sie nun Sarah Knappik, Larissa Marolt oder Hanka Rackwitz - es mit Ausnahme von Désirée Nick zwar weit, aber eigentlich nie auf den Thron schaffte. Sollte es also womöglich das erste rein männliche Finale in der RTL-Dschungel-Geschichte werden? Sollte nach dieser weiblichsten aller Dschungel-Staffeln tatsächlich ein Mann die Lorbeeren einheimsen?

Boxer Ottke zum Beispiel, oder der sanfte Prince Damien, der es machen könnte wie Peer Kusmagk in der besten aller Dschungel-Staffeln von 2011. Damals ging der als lachender, unparteiischer Dritter aus dem hoffnungslos in zwei Lager zerteilten Camp hervor. Für den Prince spricht in diesem Jahr nicht nur, dass er so nett ist. Er ist auch noch weise - stellte er doch kürzlich fest, dass "der Dschungel aus uns einfach kranke Wesen macht".

Medienwissenschaftlerin Bleicher fällt es insgesamt schwer, Sympathie für einzelne Kandidaten aufzubringen. Ihre vernichtende Prognose: "Entweder scheinen sie psychologische Störungen zu haben oder sie sind langweilig." Im vergangenen Jahr, so befindet sie, war es "deutlich unterhaltsamer".

Auf die Quoten wirkt sich das bislang allerdings kaum aus. Den Start verfolgten sechs Millionen Zuschauer. Danach hielten sich die Quoten in dieser Staffel stabil bei einem Marktanteil zwischen 20 und 26 Prozent und etwa zwischen 4,5 und 5,5 Millionen Zuschauern. Am stärksten war der Auftakt vor zwei Wochen mit mehr als sechs Millionen Zuschauern.

Infografik: So läuft's für das Dschungelcamp | Statista Mehr Infografiken finden Sie bei Statista

Marco Krefting und Britta Schultejans, dpa



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