Fußball:
Wie die Bundesliga attraktiver fürs Radio werden soll

Die Bundesliga-Konferenz der ARD ist der Klassiker der Fußball-Berichterstattung im Radio. Zur neuen Saison gibt es sie erstmals über 90 Minuten. Das ist Teil einer Jugend-Offensive des Senderverbundes.

Text: Deutsche Presse-Agentur

Die Live-Eindrücke machen das Fußball-Erlebnis am Radio erst aus.
Die Live-Eindrücke machen das Fußball-Erlebnis am Radio erst aus.

7,4 Millionen Menschen hören jeden Samstag im Durchschnitt die Fußball-Bundesliga bei den Radio-Sendern der ARD - und dank neuer Audio-Rechte sollen es in der kommenden Spielzeit noch viel mehr werden. "Wir stocken das Angebot auf und bieten Voll-Reportagen von allen Spielen der 1. und 2. Bundesliga an", sagte Marcus Tepper der Deutschen Presse-Agentur. Der ARD-Sportkoordinator für den Hörfunk kündigte zudem eine 90-minütige Konferenz am Samstagnachmittag an.

Gesendet wird dieses umfangreiche Fußball-Paket aber nicht im klassischen UKW-Radio, sondern auf verschiedenen Online-Angeboten wie den Apps und Internetseiten der Sender. "Ziel ist es, dass wir gut zu finden und leicht zu bedienen sind", kündigte Tepper an.

Warum der öffentlich-rechtliche Anbieter das macht? "Die ARD ist bemüht, ihr digitales Portfolio zu erweitern", erklärte Tepper. "Das ist eine Investition in die Zukunft." Und: "Wir wollen mit dem neuen Angebot neue Hörer und Hörerinnen gewinnen."

Zu dieser Strategie gehören auch die ebenfalls neu erworbenen Rechte für Video-Clips am Montagmorgen, was der ARD-Vorsitzende Tom Buhrow beim Erwerb der Lizenzen im Sommer vergangenen Jahres als "Riesen-Chance" bezeichnete. Die ARD wolle "mehr Online machen für ein jüngeres Publikum", sagte Buhrow.

Bis zum Ende der laufenden Saison besitzt die ARD für ihre Radiosender lediglich die Audio-Broadcast-Rechte für den klassischen Empfang über UKW. Im vergangenen Juni ersteigerte der Senderverbund aber auch die Audio-Netcast-Verwertungsrechte für das Internet. "Wir haben uns kurz gefreut und haben dann mit der Arbeit begonnen", berichtete Tepper.

Dieses Rechtepaket wechselte wie kein anderes in den zurückliegenden Jahren. Nach dem Start 2008 bei 90elf gab es die Audio-Reportagen zunächst bei sport1.fm und jetzt noch bis zum Ende der laufenden Serie beim Amazon-Angebot Prime Music. Die Fußball-Reportagen können beim Handels-Riesen inzwischen kostenfrei, aber von Werbung unterbrochen gehört werden.

Den Radio-Machern der ARD bescheren die zusätzlichen Rechte zusätzliche Arbeit. Dabei ist die Bundesliga-Berichterstattung ohnehin schon eine komplizierte Angelegenheit. Auf mehr als 20 Wellen des Senderverbundes wird samstags Fußball angeboten, beispielsweise als "Liga Live" beim WDR 2, als "NDR 2 Bundesligashow" oder als "Bayern 1 Heute im Stadion". Gemeinsam haben alle die absoluten Klassiker im Programm: ab 16.08 Uhr wird zusammengeschaltet für die Halbzeit-Konferenz und ab 16.50 Uhr für die Schluss-Konferenz.

"Die Konferenz ist ein ARD-Gemeinschaftsprodukt, das traditionell beim WDR in Köln produziert wird", erklärte Hörfunk-Koordinator Tepper. Die neuen Vollreportagen liegen "in der Hoheit der Landesrundfunkanstalten. Die haben vor Ort die Kompetenz, die Infrastruktur und die Kontakte."

Anders als die Kommentatoren von Amazon, die in den Studios von Plazamedia in Ismaning sitzen, sollen die ARD-Journalisten für das neue Angebot vor Ort kommentieren. "Die Reporter sitzen vornehmlich in den Stadien", kündigte Tepper an. "Nur in Ausnahmefällen wird möglicherweise aus dem Studio kommentiert."

Was das alles kostet? Die Lizenzgebühren für die DFL sind geheim, die zusätzlichen Produktionskosten sollen klein gehalten werden. "Wir versuchen es mit dem vorhandenen Personal umzusetzen. Wir bauen keine parallele Struktur auf und versuchen es mit Bordmitteln", sagte Tepper. Zu den Kosten äußert sich die ARD nicht.

Michael Rossmann, dpa


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