Analyse:
Digitalisierung stellt Autokauf auf den Kopf

Auch in der Automobilbranche boomt der Onlinehandel. Eine Studie der Datenanalyse-Plattform Trend SONAR von Reply zeigt, wie sich der E-Commerce im Mobilitätsbereich entwickelt und was das für die Mobilität bedeutet.

Text: Julia Gundelach

Die Mobilität wird zunehmend virtuell
Die Mobilität wird zunehmend virtuell

Ein digitaler Ansatz und eine starke Online-Präsenz sind in der Automobilbranche mittlerweile unverzichtbar – vor allem, seit die globale Pandemie die Digitalisierung vorantreibt und Unternehmen belohnt, die ihr Geschäftsmodell schnell anpassen und digitalisieren konnten. Eine Analyse von Reply zeigt: die Branche steht an der Schwelle einer neuen Zäsur. 

Während es im Jahr 2000 die ersten Online-Marktplätze für Gebrauchtwagen gab, wurden einige Jahre später die ersten Online-Maklerplattformen populär, die autorisierte Händler und Endverbraucher direkt miteinander verbinden und Online-Reservierung, Autokonfiguration und digitale Prospektdienste anbieten. Die ersten Online-Händler folgten. In den letzten Jahren verkauften Automobilhersteller ihre Fahrzeuge direkt an den Endverbraucher, indem sie auf Direct-to-Consumer (D2C)-Modelle setzten.

Zukunft der Mobilität ist virtuell

Heute bewegt sich die Branche zwischen der physischen und der digitalen Welt. Digitalisierte Analysesysteme, Pricing-Tools und Finanzierungsprozesse gehören zum Standard, um die Leads in der Branche zu steigern. Verbraucher stehen vor der Entscheidung, zwischen digitalen oder traditionellen Services zu wählen. Sie werden schon bald 3D-Showrooms, virtuelle Testfahrten, fortschrittliche Konfigurationstools und digitale Concierge-Dienste nutzen können, um Produkte direkt online zu testen und zu konfigurieren. Digitale Autohersteller stellen das traditionelle Modell des Autokaufs auf den Kopf, indem sie sich für den direkten Online-Verkauf an Kunden entscheiden. Die aktuelle Umwälzung betrifft auch die Customer Journey: Leasing, Finanzierung, die Wahl des Versicherungsanbieters und des Versicherungsschutzes und die Fahrzeugregistrierung haben bereits das Kundenerlebnis digitalisiert und automatisiert. Wartezeiten wurden verkürzt und Papierdokumente eliminiert.

Die Zukunft der Mobilität ist zunehmend virtuell. Mit den Carsharing-Diensten wird Mobilität als Dienstleistung rund um die digitale Welt wahrgenommen. Viele Autohersteller und Industriezulieferer verfolgen einen Ansatz, bei dem das Auto zu einer Plattform wird, die Zugang zu einem breiten digitalen Ökosystem aus App-basierten Daten und Services bietet. Es ist zu erwarten, dass das Auto in Zukunft – neben seiner Funktion als Mobilitäts- und Transportmittel – verstärkt als Werkzeug zum Sammeln von Kundendaten genutzt wird. Der Zugang, der Austausch und die gemeinsame Nutzung dieser Informationen sind entscheidend, um Kunden umfassendere und personalisiertere Dienste anzubieten, die sogar von den Kunden selbst vorgeschlagene Lösungen beinhalten können.



Autor: Julia Gundelach

ist freie Autorin mit Schwerpunkt Specials. Daher schreibt sie Woche für Woche über neue spannende Marketing- und Medien-Themen. Dem Verlag W&V ist sie schon lange treu – nämlich seit ihrem Praktikum bei media & marketing in 2002, später als Redakteurin der W&V.


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