Gastbeitrag:
In sieben Schritten zum klimaneutralen Dienstleister

Die Unternehmensgründerin Anna Alex hat es sich nach ihrem Ausstieg bei Outfittery zum Ziel gesetzt, unsere Wirtschaft nachhaltiger zu machen. Wie der Einsteig gelingt, auch für Agenturen und andere Dienstleister.

Text: W&V Gastautor

Mit kleinen Dingen anfangen.
Mit kleinen Dingen anfangen.

Rund 75 Prozent aller Beschäftigten in Deutschland arbeiten im Dienstleistungssektor - und auch Dienstleistungen verursachen Emissionen. Denn allein von den jährlich rund 445 Millionen Geschäftsreisen, die in Deutschland getätigt werden, entfällt ein wesentlicher Teil auf Unternehmen aus dem Dienstleistungssektor. 

Zwar hat Covid Reisen fast zum Stillstand gebracht, doch erwarten laut einer Umfrage des Verbandes Deutsches Reisemanagement (VDR) rund 57 Prozent der Befragten, dass dauerhafte unternehmensinterne Beschränkungen bei Geschäftsreisen eher unwahrscheinlich sind. Ebenso viele sagen, dass die Zahl der Reisen mittelfristig wieder zunehmen werden. 

Eines dürfte sich allerdings ändern, denn seit 2019 hat der Dienstleistungssektor einen eigenen Nachhaltigkeitsstandard, die General Sustainability Assessment Criteria for Professional Services. Dieser freiwillige Standard gibt den Unternehmen der Branche Kriterien an die Hand, um ihre Nachhaltigkeitsbemühungen zu steuern und zu bewerten.

Viele Dienstleistungsunternehmen wie Agenturen, Kanzleien oder Beratungs- und Finanzdienstleister sind bereits klimaneutral geworden. Aber längst nicht alle. Wer in Zukunft allerdings die Top Talente anziehen möchte, sollte sich genau jetzt mit dem Thema Klimaschutz auseinandersetzen, denn laut verschiedener Studien achtet die Workforce der Gen Y und Gen Z mehr denn je darauf, ob ein Unternehmen nachhaltig ist. 

Wie lässt sich der Weg in die Klimaneutralität praktisch angehen? 

Schritt 1: Dienstleister müssen sich den Vorteil, klimaneutral zu werden, bewusst machen.

Dafür gibt es zwei ganz konkrete Aspekte, die sie berücksichtigen sollten: 

  • Klimaneutral zu sein, schafft einen Mehrwert bei der Gewinnung neuer Talente. Mitarbeiter:innen suchen heutzutage vermehrt nach Unternehmen, deren ökologisches und soziales Engagement hoch sind. Laut Deloitte möchten vor allem Millennials einen nachhaltigen Beitrag leisten. Zwei Drittel von ihnen würden eine Stelle nicht annehmen, wenn das Unternehmen keine überzeugende Corporate Social Responsibility (CSR)-Agenda verfolgt. 
  • Aber auch in Bezug auf die Gewinnung neuer (Geschäfts-)Kund:innen ergeben sich Vorteile. So beeinflussen Umweltthemen zunehmend die Kaufentscheidungen von Kund:innen und führen zu einem grundlegenden Wandel des Kaufverhaltens. Zudem hat eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey zum Thema Klimaschutz in deutschen Unternehmen Folgendes ergeben: Über die Hälfte der befragten Unternehmer:innen gab an, dass der Einsatz für den Klimaschutz für die Gewinnung neuer Geschäftskund:innen sehr wichtig ist. 

Schritt 2: Alles transparent machen.

Welches sind die größten CO2-Treiber in der Agentur? Dies gilt es aufzudecken. Gerade bei Dienstleistungsunternehmen sieht dies nämlich auf den ersten Blick schwierig aus: Wo fängt man mit der Reduktion an, wenn weder etwas produziert, noch etwas geliefert werden muss? Wichtig ist hier also eine professionelle Erhebung aller Daten.

Schritt 3: Verzicht auf Kurzstreckenflüge.

Als Agentur stand es über Jahrzehnte fast täglich auf der Agenda: Heute zu Kunde A nach Süddeutschland, morgen zu Kundin B nach Norddeutschland und übermorgen zurück ins Büro. Und das alles schnell mit dem Flieger. Kurzstreckenflüge sind dabei einer der größten vermeidbaren Klimakiller. Flüge innerhalb Deutschlands sollten daher vermieden und stattdessen lieber die Bahn genutzt werden. 

Schritt 4: Meetings per Videoschalte.

Corona hat es gezeigt, es funktioniert auch per Video. Meetings, an denen Mitarbeiter:innen und Partner:innen aus verschiedenen Regionen teilnehmen, sollten nach Möglichkeit per Videokonferenz gehalten werden. So können die Teilnehmer:innen auf unnötige Reisen verzichten.

Schritt 5: Fuhrpark auf Elektro umstellen oder gar an Fahrräder denken.

Auf einen Fuhrpark mit Verbrennungsmotoren sollte dringend verzichtet werden, stattdessen sollte auf Hybrid- oder Elektromotor umgestellt werden. Noch besser wäre allerdings, wenn der Fuhrpark auf Fahrräder umgestellt oder ergänzt werden könnte. 

Schritt 6: Energieeffizienz steigern: Ein starker Klimakiller ist auch immer der Stromverbrauch. Die Umstellung auf Ökostrom ist ein guter Anfang. Zudem sollten Lampen, die nicht dringend benötigt werden, entweder abgestellt oder mit einem Bewegungsmelder ausgestattet werden. 

Schritt 7: Papierverbrauch reduzieren: Ein Punkt, den bereits viele Unternehmen umsetzen, aber noch lange nicht genug. Der Verzicht auf Papier zieht auch die Reduktion des Druckerpatronenverbrauchs nach sich. Hierauf sollte regelmäßig hingewiesen werden.

Bei allen Aktivitäten muss CO2-Reduktion immer die oberste Priorität haben. Der wichtigste Schritt ist allerdings, überhaupt anzufangen. Viele weitere Schritte ergeben sich dann anschließend. Und wer nicht sicher ist, wie er anfangen soll, kann professionelle Unterstützung bei der Eruierung und Reduktion einholen.


Anna Alex

Zur Autorin: Anna Alex ist Gründerin und Chief Customer Officer (CCO) von Planetly. Planetly ist ein Climate-Tech-Unternehmen, das digitale Tools entwickelt, mit deren Hilfe Unternehmen ihre CO2-Emissionen berechnen, reduzieren und ausgleichen.

Von 2012 bis 2018 hat Anna Alex den Personal Shopping Service Outfittery aufgebaut. Ende 2018 hat sie das operative Geschäft verlassen, unterstützt das Unternehmen jedoch weiterhin als Vorstandsmitglied. Im Sommer 2019 trat sie der Klimaschutzinitiative "Leaders for Climate Action" bei, die von mehr als 100 digitalen Unternehmern in Deutschland ins Leben gerufen wurde. Inspiriert von den Zielen der Initiative, und verstärkt durch den Wunsch, die Klimakrise aktiv und unternehmerisch anzugehen, gründete Anna Alex gemeinsam mit Benedikt Franke Planetly.



Autor: W&V Gastautor

W&V ist die Plattform der Kommunikationsbranche. Zusätzlich zu unseren eigenen journalistischen Inhalten erscheinen ausgewählte Texte kluger Branchenköpfe. Einen davon haben Sie gerade gelesen.


Alle Specials