Suez-Schiff ist frei – und bekommt ein Computerspiel

Und es bewegt sich doch! Nach tagelangen Arbeiten haben Bergungsspezialisten in der Nacht zum Montag das im Suezkanal gestrandete Containerschiff Ever Given freigelegt. Der eine Woche lang blockierte Warenverkehr zwischen China und Europa dürfte damit bald wieder fließen. Bis zum erfolgreichen Bergungsmanöver hatte der havarierte 400-Meter-Kutter das Internet am Wochenende aber nochmals auf Trab gehalten – und zu jeder Menge kreativen Ideen geführt. Der Spieledesigner Eric Wilder hat das Browserspiel "Suez Canal Bulldozer" im simplen GameBoy-Look programmiert, dessen Nutzer die Ever Given mit Hilfe von schwerem Gerät wieder auf Trab bringen können.

Im Microsoft Flight Simulator, den seine Spieler durch Modifikationen erweitern und verändern können, ist die Ever Given mittlerweile auch schon vertreten. Ein Video zeigt beim Vorbeifliegen am Suezkanal, wie das Schiff feststeckt – beziehungsweise feststeckte, laut der Meldungen vom Montagmorgen. Und der Programmierer Garrett Dash Nelson hat mit der Software Glitch ein Werkzeug entwickelt, mit dem sich die Ever Given per Google Maps virtuell an jeden beliebigen Ort der Welt verfrachten lässt – um zu sehen und zu staunen, wie groß der Dampfer tatsächlich ist. Sein Motto: "Warum soll nur der Suezkanal den ganzen Spaß haben?" Zu sehen, wie die riesige Ever Given gerade noch auf die Münchner Theresienwiese passt, ist durchaus beeindruckend.

Netflix: Jetzt wird es für alle teurer

Für Neukunden hatte Netflix seine Preise bereits im Januar angehoben. Unverändert blieb dabei nur das längst nicht mehr zeitgemäße Ein-Geräte-Abo ohne HD für 7,99 Euro im Monat. Beim HD-Abo für zwei Geräte legte Netflix von 11,99 Euro auf 12,99 Euro zu. Das 4K-Abo, das sich auf vier Geräten gleichzeitig nutzen lässt, wurde sogar um zwei Euro teurer und kostet jetzt 17,99 Euro. Ab 19. April müssen nun auch Bestandskunden die höheren Preise bezahlen. Hierfür verschickt der Streamingdienst laut Golem derzeit nach und nach E-Mails an seine Kunden im deutschsprachigen Raum.

Zusätzlich weisen Einblendungen in der Netflix-App, die jetzt immer mehr Nutzer zu sehen bekommen, auf die Preiserhöhung hin. Kunden müssen zustimmen, sonst können sie Netflix nicht mehr nutzen. Alternativ erhalten sie die Möglichkeit, in einen günstigeren Tarif zu wechseln. Netflix begründet die mittlerweile vierte Anhebung seit dem Deutschland-Start 2014 wie gewohnt mit dem "stetig wachsenden Angebot". Im Vergleich zu Konkurrenten wie Disney+ (8,99 Euro im Monat), Apple TV+ (4,99 Euro im Monat) und Amazon Prime Video (69 Euro im Jahr mit weiteren Services) ist Netflix nach seinem wiederholten Preis-Bingen aber mittlerweile so teuer, dass preissensible Kunden vermehrt abspringen könnten.

Auch Bestandskunden müssen bei Netflix jetzt mehr bezahlen.

Auch Bestandskunden müssen bei Netflix jetzt mehr bezahlen.

Neu: High-Tech-Strohhalm für Gamer

Razer, kalifornischer Spezialist für Spiele-Computer und Gamer-Zubehör, setzt seine Offensive in Bereichen fort, die allenfalls am Rande mit dem Zocken zu tun haben. Die im Januar dieses Jahres präsentierte wiederverwendbare N95-Gesichtsmaske "Project Hazel" mit Filtern, Mikrofonen und Lautsprechern soll nun tatsächlich in Serie gehen. Das verriet Razer-Chef Min-Liang Tan im Interview mit Yahoo: "Wir verwirklichen diese Idee und werden die smarte Maske verkaufen." Er geht davon aus, dass Menschen weltweit auch nach fortschreitenden Corona-Impfungen noch weiterhin Masken tragen, "denn wir werden auch in Zukunft unglaublich vorsichtig sein müssen". Preis und Starttermin nennt Razer allerdings noch nicht.

Min-Liang Tan betont den Umweltaspekt der wiederverwendbaren Maske – der auch auf eine weitere neue Idee seines Unternehmens zutrifft. In seinem Online-Shop verkauft Razer jetzt für 24,99 Euro einen wiederverwendbaren Trinkhalm im Gamer-Design und in den Hausfarben schwarz-grün. Motto für den Razer Reusable Straw, der mit einer passenden Schutzhülle, mundfreundlichem Silikonaufsatz und Reinigungsbürstchen geliefert wird: "Trinkhalme sind schlecht für die Umwelt – außer dem hier." Die innovative Schlürfhilfe besteht aus lebensmittelechtem 304er-Edelstahl und lässt sich mit einer Teleskopkonstruktion für jedes Getränk anpassen. Die Länge ist zwischen 10 und 23 Zentimetern verstellbar. Verkaufsstart ist auch in Deutschland am 9. April. Ernsthafter Hintergrund des skurril wirkenden Zubehörs: Alleine in der EU werden jährlich über 36 Milliarden Plastikstrohhalme weggeworfen.

Froh-Halm statt Strohhalm: Hightech-Trinken nicht nur für Gamer.

Froh-Halm statt Strohhalm: Hightech-Trinken nicht nur für Gamer.

Corona: Petition für harten Lockdown gestartet

Gestern Abend hat Bundeskanzlerin Angela Merkel bei ihrem Solo-Auftritt im ARD-Talk "Anne Will" ihrem Frust über öffnungswütige Ministerpräsidenten freien Lauf gelassen – die teilweise aus ihrer eigenen Partei stammen. Mit freundlichen Grüßen an Armin Laschet in NRW und an Tobias Hans im Saarland! Gleichzeitig hat die Kanzlerin angedeutet, dass es angesichts der stark steigenden Corona-Zahlen nach Ostern wieder zu drastischeren Lockdown-Maßnahmen kommen könnte. Dieser Forderung verleiht nun auch eine am Sonntag gestartete Online-Petition Nachdruck.

Darin heißt es auf der Plattform OpenPetition: "Wir fordern einen strikten Lockdown gegen die dritte Welle. Jetzt." Als Initiatoren appellieren die Journalisten Friedemann Karig und Samira El Ouassil an Kanzlerin und Landesregierungen: "Beschließen Sie sofort einen strikten, kurzen Lockdown, statt erneut zu zögern – und in der Konsequenz ebenso strikte, aber längere Schließungen vornehmen zu müssen." Die Online-Unterstützung ist groß, innerhalb von nicht einmal einem Tag hat die Petition bereits über 30.000 Unterstützerinnen und Unterstützer gefunden. Die Initiative braucht 50.000 Unterschriften, um das Quorum zu erreichen, bei dem OpenPetition von den zuständigen Entscheidungsträgern eine Stellungnahme einfordert.

Keine Petition ist erforderlich, damit der Berliner Kollege Michael Gronau an den nächsten drei Tagen an dieser Stelle wieder die spannendsten Tech-Meldungen präsentiert. Er macht es freiwillig. Viel Spaß beim Lesen!

Strikter Lockdown gegen die dritte Welle – diese Petition läuft jetzt.

Strikter Lockdown gegen die dritte Welle – diese Petition läuft jetzt.



Autor: Jörg Heinrich

ist Autor bei W&V. Der freie Journalist aus München betreut unter anderem die Morgen-Kolumne „TechTäglich“. Er hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass Internet und Social Media künftig funktionieren, ohne die Nutzer auszuhorchen. Zur Entspannung fährt er französische Oldtimer und schaut alte Folgen der ZDF-Hitparade mit Dieter Thomas Heck.