Apple: Bastler bohren Loch in AirTags

Apples neue AirTags, die Bluetooth-Smarties zum Finden verloren gegangener Gegenstände, halten Fans und Experten auch beinahe zwei Wochen nach ihrer Präsentation weiter in Atem. Dass sie Geldbörsen oder Schlüsselanhänger nicht nur in Sofaritzen finden, sondern über den Umweg anderer iPhones und Bluetooth auch irgendwo anders mitten in der Stadt, klappt in ersten Versuchen erstaunlich gut. Viel Kritik gibt es dagegen an der Tatsache, dass die 35 Euro teuren AirTags schlichtweg kein Loch enthalten, im Gegensatz zu Konkurrenten wie dem Tile. Ohne Zubehör wie Schlüsselanhänger, für das Apple mindestens weitere 35 Euro verlangt, lassen sich die AirTags deshalb nirgendwo sinnvoll befestigen. Ein Test der Hardware-Sezierer von iFixit bestätigt nun, dass es sich hierbei um keine technische Notwendigkeit handelt – sondern wohl eher um eine umsatzfördernde Maßnahme von Apple.

Die Tech-Bastler, die jedes neue Apple-Gerät nach Erscheinen postwendend auseinandernehmen, haben die AirTags zunächst geröntgt. Dabei haben sie festgestellt, dass es drei kleine Bereiche im Inneren gibt, an denen keine Technik sitzt, sondern an denen lediglich die Clips befestigt sind, die die AirTags zusammenhalten. Hier lassen sich Löcher bohren, um die Plättchen ohne Extra-Zubehör zum Beispiel an einer Schnur zu befestigen. Gesagt, getan, gebohrt: iFixit hat ein 1,6 Millimeter großes Loch in einen AirTag perforiert. Und auch danach hat alles noch wie gewohnt funktioniert. Das AirTag-Loch ist also machbar, auch wenn der Bluetooth-Chip danach nicht mehr staub- und wasserdicht ist (und keine Garantie mehr hat). Aber auch hierfür hätte Apple sicherlich eine Lösung gefunden, wenn es denn hätte wollen. Fazit von iFixit: "Selbst im winzigsten Gerät mit nur einem einzigen Zweck gibt es Platz, um es zu hacken. Und wir kämpfen für Euer Recht, das auch zu tun."

Hole-Schuld: Hat Apple absichtlich kein Loch in die AirTags gemacht?

Hole-Schuld: Hat Apple absichtlich kein Loch in die AirTags gemacht?

Zu aggro: NYPD schickt Roboter-Hund zurück ins digitale Tierheim

Die New Yorker müssen sich nicht mehr von einem unheimlich wirkenden Roboter-Hund eingeschüchtert und bedroht fühlen. Denn das New York City Police Department hat seinen Versuch mit dem Roboterhund Digidog von Hersteller Boston Dynamics eingestellt und schickt den künstlich intelligenten Vierbeiner quasi zurück ins digitale Tierheim. "Der Vertrag wurde beendet, und der Hund geht zurück", erklärte ein Sprecher des NYPD gegenüber der New York Post. Nach einer Protestwelle von Bürgern, Stadtverantwortlichen und Politikern beendet die Polizeibehörde den Test aber nicht ganz freiwillig. "Der Digidog wurde ein Opfer von Politik, schlechter Information und billigem Geschwätz", beklagt NYPD-Vertreter John Miller. Die Polizei hatte den Roboterhund 2020 in Dienst gestellt, "um Leben zu retten, Menschen und unsere Mitarbeiter zu schützen", wie es beim Start des Pilotprojekts hieß.

Er wurde vor allem als Kamerahund eingesetzt, um potentiell gefährliche Einsatzorte auszuspähen. Viele Beobachter sahen den Roboter als Symbol sowohl für verschwenderische Polizeiausgaben als auch für zunehmend aggressive Taktiken und die Militarisierung der Strafverfolgungsbehörden. Die demokratische Kongressabgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez beklagte im vergangenen Februar per Twitter: "Bitte fragen Sie sich: Wann haben Sie das letzte Mal gesehen, dass solch eine zukunftweisende Weltklasse-Technologie für Bildung, Gesundheitswesen, Wohnen und für unterversorgte Gemeinden eingesetzt wurde?" Trotz der Proteste hat Boston Dynamics weltweit mittlerweile rund 500 Exemplare seines Roboterhundes verkauft. Auch die französische Armee verwendet ihn bei Gefechtsübungen. Dabei darf der Hund laut den Vorgaben des Herstellers allerdings nicht bewaffnet sein.

Facebook und Instagram machen Druck: Nur dank Tracking kostenlos

Seit letzter Woche ist Apples Betriebssystem-Update iOS 14.5 mit der neuen Anti-Tracking-Funktion für die Besitzer von iPhones und iPads verfügbar. Sie können den Ausspäh-Schutz aktivieren, indem sie in den Einstellungen ihres Geräts unter "Datenschutz" die Option "Apps erlauben, Tracking anzufordern" deaktivieren. Ein einziger Klick schützt damit die Privatsphäre der Nutzer, und verhagelt neugierigen Internetkonzernen und Datenhändlern das Geschäft. Vor allem Facebook wehrt sich mit Händen und Füßen gegen die Maßnahme und erhöht nun den Druck auf die Kunden. Immer mehr iOS-Nutzer von Facebook und seiner Fototochter Instagram sehen seit dem Wochenende App-Einblendungen, laut derer das Tracking unter anderem dazu beiträgt, die beiden Dienste kostenlos zu halten.

Facebook nennt die Einblendungen laut The Verge "Aufklärungsbildschirme, die mehr Details darüber liefern, wie wir Daten für personalisierte Anzeigen verwenden". Im Detail werden Nutzer so "aufgeklärt": "Wir verwenden Informationen über Ihre Aktivitäten, die wir von anderen Apps und Websites erhalten haben, um Ihnen personalisiertere Werbeanzeigen zu zeigen, um dabei zu helfen, Facebook kostenlos zu halten, und um Unternehmen zu unterstützen, die auf Werbeanzeigen angewiesen sind, um ihre Kunden zu erreichen." Mit den neuen Einblendungen hofft der Zuckerberg-Konzern offenbar, dass Nutzer dem Verfolgen ihrer Daten zustimmen, weil sie Angst haben, dass Facebook und Instagram ansonsten bald nicht mehr kostenlos sind. Völlig unberechtigt sind diese Ängste nicht. Facebook hat den Hinweis, dass der Dienst "gratis ist und immer gratis bleiben wird" bereits 2019 von seiner Homepage entfernt. Und kostenpflichtige Versionen von Facebook und Instagram mit weniger Werbung und weniger Neugierde (die sich viele sogar wünschen würden) sind immer wieder im Gespräch.

Facebook und Instagram machen Stress – und setzen Nutzer unter Druck.

Facebook und Instagram machen Stress – und setzen Nutzer unter Druck.

Aufgemalte Corona-Maske: Indonesien weist "Influencer" aus

Sich eine Corona-Maske nicht aufzusetzen, sondern nur aufzumalen, kann böse Folgen haben – sowohl gesundheitlich als auch gesetzlich. Zwei "Influencer" hielten es auf der indonesischen Ferieninsel Bali für einen gelungenen Streich, mit einer aufgemalten blaugrünen OP-Maske in einen Supermarkt zu marschieren und das Video ihres "Pranks" auf Instagram und Youtube zu posten. Dafür gab es nicht nur jede Menge Klicks, sondern jetzt auch massiven Ärgern mit den Behörden. Die Russin Leia Se und der US-Taiwanese Josh Paler Lin wurden nun aus der Region Bali verwiesen und müssen nach zwischenzeitlicher U-Haft befürchten, aus Indonesien abgeschoben zu werden.

Das Duo ist für (semi)lustige Internetstreiche bekannt, wie 7News aus Australien berichtet. Allein Paler Lin hat auf Youtube 3,4 Millionen Follower. Die neueste Aktion ging aber mächtig daneben. Leia Se wurde zunächst der Zutritt zu einem lokalen Supermarkt verweigert, weil sie nicht die vorgeschriebene Corona-Maske trug. Daraufhin malte ihr Begleiter der Russin (eine optisch durchaus überzeugende) OP-Maske aufs Gesicht, mit der sie dann problemlos in den Supermarkt kam. "Hast du gesehen, dass dich niemand genau ansieht? Ich kann gar nicht glauben, dass es funktioniert hat", prahlte Se im Instagram-Video, das die sicherlich schon im Vorfeld geplante Aktion zeigt. Auf Bali werden Masken-Verstöße konsequent verfolgt. Vergehen kosten umgerechnet rund 50 Euro, Ausländer können des Landes verwiesen werden.



Autor: Jörg Heinrich

ist Autor bei W&V. Der freie Journalist aus München betreut unter anderem die Morgen-Kolumne „TechTäglich“. Er hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass Internet und Social Media künftig funktionieren, ohne die Nutzer auszuhorchen. Zur Entspannung fährt er französische Oldtimer und schaut alte Folgen der ZDF-Hitparade mit Dieter Thomas Heck.