Apple gibt nach: Home Office bis Oktober

Also doch: Die Mitarbeiter im Apple Park in Cupertino dürfen zumindest bis einschließlich Oktober weiterhin zuhause im Home Office bleiben. Damit gibt Apple offenbar dem Druck von Hunderten von Angestellten nach, die erst vor wenigen Tagen in einem zweiten Brief an Konzernchef Tim Cook erneut die vorläufige Beibehaltung der aktuellen Home-Office-Regeln verlangt hatten. "Da die Covid-19-Zahlen weltweit wieder ansteigen, die Impfstoffe sich als weniger wirksam gegen die Delta-Variante erweisen und die langfristigen Auswirkungen der Infektion nicht gut verstanden werden, ist es zu früh, besorgte Mitarbeiter zu zwingen, wieder ins Büro zu kommen", heißt es in dem Brief.

Nachdem die 7-Tage-Inzidenz in der Region Cupertino zuletzt wieder auf bis zu 70 gestiegen ist, verzichtet Apple laut AppleInsider nun zumindest bis einschließlich Oktober auf die Anwesenheitspflicht. Nach den ursprünglichen Plänen sollten die Mitarbeiter ab September montags, dienstags und donnerstags verpflichtend wieder in die Konzernzentrale Apple Park zurückkehren – während Mittwoch und Freitag weiterhin als Home-Office-Tage geplant waren. Dass sich Angestellte am Arbeitsplatz begegnen, dass sie kommunizieren und sich inspirieren, gehört zu Apples Konzernphilosophie. Gründer Steve Jobs hatte das kreisrunde "Apple-Ufo" vor seinem Tod ganz bewusst so geplant, um den gegenseitigen Austausch zu fördern. Apple hat nun zugesagt, die Mitarbeiter bei einer späteren Rückkehrpflicht ins Büro mindestens einen Monat im Voraus zu informieren.

Vorerst keine Rückkehrpflicht ins Apple-Ufo in Cupertino.

Vorerst keine Rückkehrpflicht ins Apple-Ufo in Cupertino.

HalloApp: Neuer Messenger von den WhatsApp-Erfindern

Die Begeisterung vieler Nutzer für den Neugier-Messenger WhatsApp lässt sehr zu wünschen übrig. Aber man verwendet ihn eben weiter, weil es auch alle anderen tun – und weil die Konkurrenten von Signal bis Threema längst nicht so weit verbreitet sind. Zwei Miterfinder von WhatsApp wollen nun eine Alternative bieten, die den Komfort und den Nutzen des Messengers aus dem Facebook-Konzern mit Datenschutz, Privatsphäre und konsequent verschlüsselten Nachrichten verbindet. HalloApp heißt die kostenlose neue App für iOS und Android, deren Entwickler versprechen: "HalloApp ist da! Die erste App für echte Beziehungen. Wir entwickeln diese App für dich und deine Liebsten, deine Freunde und Kollegen. Im Gegensatz zu älteren sozialen Netzwerken glaubt HalloApp, dass das Recht auf Privatsphäre ein grundlegendes Menschenrecht ist." Das "ältere soziale Netzwerk", auf das die Beschreibung anspielt, ist natürlich WhatsApp, an dessen Entwicklung die HalloApp-Gründer Neeraj Arora und Michael Donohue einst federführend beteiligt waren.

Arora war bis 2018 Hauptgeschäftsführer von WhatsApp und eine Schlüsselfigur bei der Aushandlung der Übernahme durch Facebook. Donohue arbeitete bis 2019 fast neun Jahre lang als technischer Direktor von WhatsApp. Nachdem der Zuckerberg-Konzern auch WhatsApp mehr und mehr dazu einsetzte, um seine Nutzer zu überwachen, verließen die beiden Facebook. HalloApp erinnert ohne Werbung, ohne jegliches Datensammeln und mit angenehm reduzierter orangefarbener Optik an die Gründerzeiten von WhatsApp. Lediglich vier Menüpunkte – Nachrichten von Freunden, Gruppen-Chats, Einzel-Chats und Einstellungen – sorgen für Übersicht. Neeraj Arora und Michael Donohue verstehen ihre App als "Gegengift" zum Datensammeln und zur Social-Media-Sucht vieler Nutzer, die sie als die "Zigarette des 21. Jahrhunderts" bezeichnen. Ihr Versprechen an die HalloApp-Verwender: "Stell dir vor, wie es ist, wenn du nicht als Produkt betrachtet wirst." Langfristig soll sich die App mit Abos für bestimmte, nützliche Funktionen finanzieren – so wie es vor der Facebook-Übernahme auch für WhatsApp geplant war.

Sag Hallo zu HalloApp, der "ersten App für echte Beziehungen".

Sag Hallo zu HalloApp, der "ersten App für echte Beziehungen".

Walmart, Ikea, Amazon: So schmutzig sind die Handelsriesen

Große Händler wie Walmart, Ikea oder Amazon versprechen zwar, dass sie "grüner" und ökologischer werden wollen. Eine neue Untersuchung zeigt aber jetzt, dass nicht zuletzt der Versand ihrer Produkte immer noch enorm umweltbelastend ist. Der Bericht der Umwelt-NGOs Pacific Environment und Stand.earth analysiert die Treibhausgasemissionen und die Luftverschmutzung, die durch die Verschiffung von Fracht rund um die Welt verursacht werden. Ergebnis ist eine Rangliste der 15 größten Umweltverschmutzer. Die Top 5 (oder eher Flop 5) sind demnach Walmart, Ashley Möbel, Target, Dole und Home Depot. Hinter Bananen-Riese Chiquita landen Ikea und Amazon auf den Plätzen 7 und 8, berichtet The Verge.

Allein Walmart verursacht durch seinen weltweiten Schiffstransport laut der Umweltschützer über 3,7 Millionen Tonnen CO2-Emissionen pro Jahr – mehr als ein komplettes Kohlekraftwerk im gleichen Zeitraum. Der US-Händler liegt damit deutlich vor Ashley Möbel mit 2,2 Millionen Tonnen jährlichem CO2-Ausstoß. Amazon, das mehr auf lokalen Transport als auf Schiffsfracht setzt, wirkt mit rund 391.000 Tonnen CO2 pro Jahr im Vergleich zu Walmart beinahe schon umweltfreundlich (aber nur beinahe). "Dieser Teil der Schadstoffemissionen großer Firmen wurde noch nie wirklich untersucht", erklärt Madeline Rose, Hauptautorin der Studie. "Und nachdem der Klimanotstand vor der Tür steht, denken wir, dass hier dringend mehr Transparenz nötig ist."

Emissionen beim Versand per Schiff – Walmart liegt ganz oben.

Emissionen beim Versand per Schiff – Walmart liegt ganz oben.

Erotik-Rubens: Museen protestieren gegen Pornhub

Erst letzte Woche gab Internet-Schmuddelspezialist Pornhub bekannt, dass er sein Herz für die Kultur entdeckt hat. Die Kampagne "Classic Nudes" soll den täglich 140 Millionen Nutzern die Erotik in Kunstwerken von Rubens bis Caravaggio näherbringen. Interaktive Karten aus sechs Museen in aller Welt präsentieren freizügige Gemälde und Skulpturen aus mehreren Jahrhunderten Kunstgeschichte. Unter dem Motto "Zeig mir die Nackten!" sollen die Pornhub-Besucher erleben, dass man(n) nicht nur mit Nackedeis aus dem 20. und 21. Jahrhundert seinen Spaß haben kann. Zur Einführung heißt es: "Manche Menschen halten Museen für langweilig, spießig oder öde. Aber was wäre, wenn wir ihnen sagen würden, dass sie eine Sammlung von unbezahlbaren Pornos beherbergen? Willkommen bei Classic Nudes, Pornhubs interaktivem Führer zu einigen der sexiesten Szenen der Geschichte in den berühmtesten Museen der Welt."

Nachdem schlussendlich aber auch die Kunstwerke in den Uffizien von Florenz, im Pariser Louvre oder in der Londoner National Gallery urheberrechtlich geschützt sind, gehen die Betreiber der Museen jetzt auf die Barrikaden. Wie der Standard aus Wien berichtet, prüfen die Uffizien bereits eine Klage gegen den Porno-Anbieter. Weitere Museen könnten folgen. Der renommierte italienische Kunstexperte Vittorio Sgarbi geht davon aus, dass Pornhub Verwertungsrechte an den Werken erwerben müsste, um sie in seiner virtuellen Erotikausstellung zeigen zu dürfen. Damit ist fraglich, ob sich Italiens Ex-Pornostar und Ex-Politikerin Ilona "Cicciolina" Staller weiterhin als Botticellis "Venus" auf Pornhub räkeln darf. Ihren Höhepunkt hat diese Affäre noch nicht erreicht.



Autor: Jörg Heinrich

ist Autor bei W&V. Der freie Journalist aus München betreut unter anderem die Morgen-Kolumne „TechTäglich“. Er hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass Internet und Social Media künftig funktionieren, ohne die Nutzer auszuhorchen. Zur Entspannung fährt er französische Oldtimer und schaut alte Folgen der ZDF-Hitparade mit Dieter Thomas Heck.